Was ist Trauma?

Im Somatic Experiencing® (kurz SE genannt) wird ein Trauma vor allem als eine angemessene körperliche Reaktion auf eine überwältigende Situation betrachtet, die sich dann auch auf die geistige und emotionale Ebene auswirkt.
Wenn ein Ereignis zu schnell, zu viel oder zu plötzlich kommt, wird im Körper Alarm ausgelöst. In einer Situation, die als (lebens)bedrohlich erlebt wird, reagiert der Körper mit den angeborenen, instinktiven Verhaltensweisen von Kampf, Flucht oder Erstarrung / Kollaps und stellt hierfür ungeheure Mengen an Energie bereit. Wenn die instinktiven Reaktionen erfolgreich sind, wird diese Energie durch die Handlung selbst wieder entladen. Der Körper kehrt in sein natürliches Gleichgewicht zurück. Wenn diese Instinkte jedoch unterbrochen werden, bleibt die Energie im Körper stecken. Auch wenn die Gefahr längst vorüber ist, bleibt der Mensch weiterhin im Überlebensmodus und verhält sich auch so, denn der Körper versucht, die unterbrochenen instinktiven Handlungen zu vollenden.

Trauma bedeutet also „eine biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine lebensbedrohliche Situation“ (P. Levine). Wenn diese Körperantwort vervollständigt werden kann, löst sich die Energie aus dem Körper, und die Symptome können sich auflösen.

Ein Schocktrauma kann durch ein einmaliges überwältigendes Erlebnis ausgelöst werden. Hierzu gehören, z.B. Unfälle, Naturkatastrophen, Gewalterlebnisse, der plötzlichen Verlust eines geliebten Menschen oder des Arbeitsplatzes, aber auch Operationen oder die Diagnose einer schweren Krankheit.
Ein Entwicklungs- oder Bindungstrauma wird durch eine Reihe wiederkehrender Erlebnisse hervorgerufen, die das Baby oder Kleinkind mit seinen noch eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten komplett überfordern. Die Folge ist ein ständiges Gefühl der Überwältigung und konstante Alarmbereitschaft im Körper.

Im Somatic Experiencing geht es darum, die unterbrochenen instinktiven Impulse zu vollenden und den Sinn für Sicherheit im Körper wieder herzustellen.